Du hast die Empfehlung gehört: unter zwei kein Bildschirm, danach eine Stunde pro Tag. Aber in eurem Alltag sieht es anders aus. Es geht längst nicht mehr um die Zahl – es geht um den Streit am Abend, das Genörgel beim Ausschalten und die Frage, ob du gerade etwas falsch machst.
Wir sind Timo und Salima, Eltern von drei Töchtern. Dieser Artikel bringt Ordnung in die Empfehlungen – mit den Quellen dazu. Und er zeigt, worauf es in eurem Alltag wirklich ankommt.
Was die WHO für Kinder unter fünf Jahren empfiehlt
Die WHO betrachtet Bewegung, Schlaf und sitzende Tätigkeiten gemeinsam. Für sitzende Bildschirmaktivitäten nennt sie in ihrer Leitlinie von 2019 folgende Orientierung:
| Alter | Empfehlung der WHO |
|---|---|
| Unter 1 Jahr | Keine Bildschirmzeit empfohlen. |
| 1 Jahr | Sitzende Bildschirmzeit nicht empfohlen. |
| 2 Jahre | Höchstens eine Stunde pro Tag; weniger ist besser. |
| 3–4 Jahre | Höchstens eine Stunde pro Tag; weniger ist besser. |
Diese Tabelle betrifft Kinder unter fünf Jahren. Sie ist keine allgemeine Ein-Stunden-Regel für alle Kinder und keine Aufforderung, die genannte Zeit täglich auszuschöpfen. Aus der Quelle lässt sich auch keine pauschale Ausnahme für sämtliche gemeinsam angesehenen Filme oder begleiteten Lernspiele ableiten.
Quelle: WHO: Bewegung, Bildschirmzeit und Schlaf bei Kindern unter fünf Jahren.
Was bei älteren Kindern zusätzlich wichtig wird
Mit dem Alter verändern sich Aufgaben und Medienangebote. Hausaufgaben, Kommunikation, Spiele und Unterhaltung erfüllen unterschiedliche Zwecke. Es ist sinnvoll, diese Nutzungsarten getrennt zu betrachten, statt nur eine tägliche Gesamtsumme zu diskutieren.
Die deutsche S2k-Leitlinie zum Bildschirmmediengebrauch behandelt unter anderem gemeinsame Vereinbarungen, technischen Kinderschutz, bildschirmfreie Alltagsgestaltung und die Vorbildrolle der Eltern. Grenzen und attraktive Alternativen schließen sich also nicht aus.
Quelle: AWMF: Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend.
Vier Fragen für euren Medienalltag
Was wird genutzt? Schaut euch Inhalte und Funktionen gemeinsam an. Gibt es Werbung, Kaufanreize, öffentliche Kontakte oder eine automatisch weiterlaufende Wiedergabe? Ein pädagogisch klingender Name beantwortet diese Fragen nicht.
Wann wird genutzt? Betrachtet wiederkehrende Situationen: Essen, Hausaufgaben, Übergänge und die Zeit vor dem Schlafen. Wo entstehen bei euch Schwierigkeiten, und welche Absprachen sind bereits hilfreich?
Wie gelingt das Beenden? Ein Kind darf enttäuscht sein, wenn eine angenehme Beschäftigung endet. Wenn Übergänge regelmäßig sehr belastend werden, schaut genauer hin und besprecht die Situation in einem ruhigen Moment.
Was kommt sonst im Tag vor? Bewegung, Spiel, Ruhe und Kontakte gehören zur Betrachtung dazu. Ein abwechslungsreicher Tag ist jedoch kein pauschaler Beleg dafür, dass beliebig viel Bildschirmzeit unbedenklich wäre.
So übersetzt du das in euren Alltag
Wenn Schlaf, Schule, Kontakte oder Familienleben deutlich belastet sind, holt euch fachliche Unterstützung – dafür müsst ihr nicht erst eine bestimmte Stundenzahl erreichen.
Wenn du wissen willst, wo ihr als Familie gerade steht: Unser kostenloser Bildschirmzeit-Test sortiert in 16 Fragen, wo es bei euch hakt. Und in unserem Bildschirmzeit-Guide steht der Weg, den wir mit drei Kindern gegangen sind – mit unseren Fehlern und dem, was wirklich geholfen hat.
Weiterlesen: Lern-Apps gemeinsam prüfen · Belastende Nutzung erkennen
Timo Götz und Salima Oudefel, Filmemacher, Co-Regisseure und Eltern von drei Töchtern. Zwei Langzeitreisen seit 2016.